Pfarrer


Seit dem 15. März 2017 bis Dezember 2017 hat unsere Gemeinde wieder eine Seelsorgerin, worüber wir uns sehr freuen. Es ist Pfarrerin Dr. Heiderose Gärtner-Schultz. Nachstehend ein kurzes Grußwort von ihr:


100 Tage: Kurgäste- und Tourismusgemeinde Hévíz

Politiker werden nach 100 Tagen gefragt, was sie bisher bewirkt haben und wie die Zusammenarbeit im neuen Amt klappt. Ein erstes Resümee wird gezogen. Warum sollen das nicht auch die Pfarrerin und ihr Mann tun? Denn Ende Juni erreichten wir mit unserem Aufenthalt in Hévíz dieses, übertrieben ausgedrückt, magische Datum.

Ein neues Pfarrerehepaar und eine Gemeinde mit gewachsenen Strukturen, da treffen zuerst einmal unterschiedliche Erwartungen und Befürchtungen aufeinander. Man muss sich aneinander gewöhnen. Das kann durch verschiedenen Herangehensweisen geschehen. Man kann sagen, jetzt muss sich die Gemeinde schon wieder an eine neue Pfarrerin gewöhnen oder man kann sich sagen, dass es schön ist, dass jemand kommt. Man kann sich vornehmen, hinzuschauen, was er oder sie anders macht. Diese offene Haltung aufzubringen, war für manche nicht ganz leicht. Doch wie es im Leben so ist, man gewöhnt sich aneinander.

Antoine de Saint-Exupéry erzählt wie der kleine Prinz und der Fuchs sich aneinander annähern. Sie begegnen sich und sie sind sich noch fremd. „Komm und spiel mit mir", schlug ihm der kleine Prinz vor. „Ich bin so traurig ..." „Ich kann nicht mit dir spielen", sagte der Fuchs. „Ich bin noch nicht gezähmt!" „Ah, Verzeihung!" sagte der kleine Prinz. Aber nach einiger Überlegung fügte er hinzu: „Was bedeutet das: Zähmen?" „Zähmen, das ist eine in Vergessenheit geratene Sache", sagte der Fuchs. „Es bedeutet: Sich vertraut machen“. „Vertraut machen?" fragte der kleine Prinz. „Gewiss", sagte der Fuchs. „Du bist für mich noch nichts als ein kleiner Knabe, der hunderttausend kleinen Knaben völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebenso wenig. Ich bin für dich nur ein Fuchs, der hunderttausend Füchsen gleicht. Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt ..."    

Es ist nicht leicht, sich aneinander zu gewöhnen, das zeigt die Geschichte, es ist aber der Mühe wert, denn nur mit Zeit, Respekt und Verstehenwollen kann man sich einander nähern. Ich meine, dass wir in Hévíz unseren Anfang auf diese Weise gestaltet haben, dass wir gefragt haben: „Was meint der andere, was will er?“.

Das gemeindliche Binnenklima ist manchmal etwas ängstlich und wenig mutig. Da wünsche ich mir, dass wir als Christen Herausforderungen annehmen und mutig vorwärts gehen ohne Scheu vor Veränderungen. Niemand hat das Recht, uns Angst einzujagen. Daran können wir noch arbeiten. Aber wir haben schon erfahren und gelernt, dass wir hier in Hévíz jemand sind, den man ernst nimmt, den man zum Partner haben will. Die Kontakte zur Stadt, den Konfessionen und anderen Institutionen sind sehr gut. Auch neue überraschende und hilfreiche Netzwerke wurden erschlossen, da gibt es die eine, die Kontakte zu den Geschäften hat, da gibt es die andere, die uns zur Presse vermittelt, da gibt es den anderen, der sich im Bereich des Balaton hervorragende auskennt und uns hilft.

Es ist schön in Hévíz, es macht Freude, in gutbesuchten Gottesdiensten zu predigen. Das Feed-Back ist liebenswert und sehr wertschätzend. Da gibt es viele, den Gemeindegliedern altbekannte, Gesichter, die seit Jahren während ihres Urlaubs in den Gottesdienst kommen und da gibt es neue Gesichter von Menschen, die nach Hévíz und Umgebung gezogen sind bzw. vorhaben an diesen Ort umzusiedeln und die nach Gemeinschaft suchen. Die Mitarbeitenden ziehen an einem Strang, die gemeinsame Arbeit bereitet allen Freude und es macht Spaß zusammen – es ist gut hier zu sein. Vielleicht gibt es noch einige, die Lust haben in diesem fröhlichen Team mitzuarbeiten? Wir würden uns freuen!

Miteinander lernen wir, die Gemeinde weiterzuentwickeln mithilfe des Geistes, der uns voran bringen will. Wir hoffen und arbeiten daran, noch mehr interessierte Menschen zu erreichen und ein Stück Leben mit ihren Freuden, Sorgen und Nöten zu teilen. Es aber geht nicht um ein blindes Voranschreiten, es geht um mehr, es geht darum, das, was wir erfahren und erleben, durch unseren Glauben einzuordnen und zu verstehen. Dann reift aus der Erfahrung die Erkenntnis, die uns den Weg in die Zukunft weist. Besonnen und doch mutig, einhaltend und auch vorwärtsstrebend, nachdenklich und spontan, fromm und aufgeschlossen – der gute Weg miteinander liegt nicht im entweder – oder, sondern im sowohl – als auch. Klar gibt es auch Grenzen, da endet das sowohl - als auch, aber auch diese müssen im Miteinander gefunden und gesetzt werden.

Uwe und ich erlauben uns, mit diesen Überlegungen einen mutigen und hoffungsvollen Blick nach vorne, in eine erfreuliche gemeinsame gottbehütete Zukunft zu wagen!

Ihre Dr. Heiderose Gärtner-Schultz und Uwe Schultz


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